BANG-Netzwerke – Ausbilden im Team

Markus Kamann im Interview

Markus Kamann, Geschäftsführer der Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement mbH in Paderborn, konzipierte vor knapp 20 Jahren das erste Berufliche Ausbildungsnetzwerk im Gewerbebereich, kurz BANG. Heute werden deutschlandweit über 200 Mitgliedsbetriebe in elf Netzwerken betreut und unterstützt, und bald soll auch in der Region Bodensee-Oberschwaben ein Netzwerk an den Start gehen. Wir sprachen mit Markus Kamann darüber, welchen Beitrag zur Fachkräftesicherung die mehrfach ausgezeichneten BANG-Netzwerke gerade für kleinere Unternehmen bieten.

 

Wie war das, als Sie das erste BANG-Netzwerk gegründet haben?

Um die Jahrtausendwende kam die Agentur für Arbeit Paderborn auf die Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement, kurz GPDM, zu. Wir sollten Mittelständler aus dem Metall- und Elektrobereich dabei unterstützen, mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung ihren Fachkräftebedarf zu sichern. Das Problem der Unternehmen war, dass sie keine Bewerber hatten – auch, weil sie sich ausschließlich auf die Auslastung der Produktion konzentrierten und nicht auf die Ausbildung. Wenn man aber gut ausbilden will, müssen die entsprechenden maschinellen, räumlichen und personellen Voraussetzungen dafür vorhanden sein – und das zu stemmen, ist für einen einzelnen Betrieb oft zu viel. Deshalb schlugen wir vor, mit dem Zusammenschluss mehrerer Unternehmen deren Ausbildungsaktivitäten auf ein ganz anderes Niveau zu bringen, und eine Stelle zu schaffen, die das Ganze koordiniert. So war die Idee für die BANG-Netzwerke geboren.

Was sind die Voraussetzungen für die Gründung eines BANG-Netzwerks?

Zunächst muss geklärt werden, ob es ausreichend Unternehmen in einer Region gibt, die vor der gleichen Herausforderung stehen. Der zweite Punkt ist der Aufbau einer gemeinsamen Lehrwerkstatt: Wo muss sie liegen, um für alle Azubis erreichbar zu sein? Und von wem wird sie betrieben? In Hövelhof, dem ersten BANG-Netzwerk, befindet sich die Lehrwerkstatt in den Räumlichkeiten eines Mitgliedsunternehmens. Auch die Ausbilder sind Mitarbeiter dieses Unternehmens. Im Netzwerk Pforzheim kooperiert der BANG Nordschwarzwald mit einem Unternehmen der BFW Schömberg gGmbH. Und in Gütersloh haben mehrere Betriebe Finanzmittel in einen Fonds eingebracht, um gleich zwei Trainingszentren mit eigenen Ausbildern zu betreiben. Es gibt also regional ganz unterschiedliche Lösungen.

BANG ist damit weit mehr als eine überbetriebliche Bildungsstätte oder Lehrwerkstatt, oder?

Ja. Zu unserem Konzept gehört, dass wir uns als Kümmerer einbringen – immer so weit, wie es die einzelnen Unternehmen wünschen. Wir organisieren zum Beispiel den gemeinsamen Auftakt am Beginn eines Ausbildungsjahres, planen Exkursionen und stellen E-Learning-Systeme zur Verfügung. Wir organisieren auch Schulungen für Ausbilder oder übernehmen die Kontakte zu den Berufsschulen und zur IHK. Auch bei Problemen zwischen Ausbildungsbetrieb und Azubi unterstützen wir. Wir gehen auf Ausbildungsmessen und bauen einen Bewerberpool auf, auf den die beteiligten Unternehmen Zugriff haben. Nicht zuletzt sichert die Organisation als Verein den teilnehmenden Unternehmen transparente Preise und Leistungen.

Womit wir bei der Rolle der GPDM wären…

Wir verstehen uns als Koordinator und sind das Bindeglied zwischen den einzelnen Mitgliedern und dem Anbieter der Lehrwerkstatt. Wir machen Vorschläge, letztlich aber entscheiden die Unternehmen vor Ort in den Mitgliederversammlungen. Wir stellen Personal für die regionalen Geschäftsstellen der Vereine zur Verfügung. Und wir sorgen für einen bundesweiten Austausch der einzelnen Netzwerke und die Weiterentwicklung der BANG-Idee im Rahmen von Systemworkshops.

Welchen Vorteil hat es, bundesweit vernetzt zu sein?

Bei dem Corona-bedingten Lockdown haben wir die Vorteile unseres bundesweiten Verbunds voll ausgespielt. Die Ausbilder von BANG Gütersloh etwa haben für alle ihre Azubis eine Online-Betreuung angeboten. Es gab tägliche Online-Seminare, Werkunterricht, Zugang zu einer eigenen E-Learning-Plattform sowie ein durchdachtes Hygienesystem. Das ist etwas, was kaum ein Unternehmen allein leisten kann. Und viele haben davon profitiert.

Wie weit ist der Aufbau des geplanten BANG-Netzwerks in der Region Bodensee-Oberschwaben?

Vor einem Jahr haben wir dazu eine Anfrage aus der Region bekommen. Hintergrund war der Rückzug von Unternehmen aus dem Geschäft mit überbetrieblichen Ausbildungsangeboten und -verbünden. Inzwischen sind wir eng mit einem Unternehmen im Gespräch, das als überbetriebliche Lehrwerkstatt bestens geeignet wäre. Nun suchen wir nach weiteren Unternehmen, die Bedarf und Interesse an einem Ausbildungsnetzwerk haben. Unser Ziel ist es, dass zum 1. September 2021 die ersten Azubis ihre Elektro-Grundausbildung über ein BANG-Netzwerk in der Region Bodensee-Oberschwaben starten können. Später sollen dann konventionelle Dreh- und Fräsmaschinen für die Metallausbildung hin zu kommen oder über die Kooperation mit anderen Partnern ergänzt werden.

Interview: Markus Brunnbauer

 

 

Herzlich willkommen

Wir freuen uns über Ihren Besuch auf unseren Webseiten und Ihr Interesse an den BANG-Netzwerken.

BANG ist eine Abkürzung und steht für "Berufliches AusbildungsNetzwerk im Gewerbebereich".

Hinter BANG steckt unter anderem die Idee, dem dualen Ausbildungssystem eine sinnvolle (Dienstleistungs-)Ergänzung hinzuzufügen, indem man eine dritte Säule aufbaut. Diese dritte Säule basiert auf der Idee eines Netzwerks, welches u.a. den Unternehmen Ausbildungsaufgaben abnimmt, um das Tagesgeschäft zu stärken.

Das Ergebnis: Ein triales Ausbildungs-System.



Aktuell finden Sie unsere BANG Netzwerke in 10 Regionen und 2 Branchen:

  • BANG Hövelhof e.V.
  • BANG Gütersloh e.V.
  • BANG Lippe e.V.
  • BANG Hochstift e.V.
  • BANG Bielefeld e.V. 
  • BANG Hochauerland e.V.
  • BANG Ahlen
  • BANG Aachen
  • BANG Nordschwarzwald e.V.
  • BANG Lünen
  • taff Netzwerk Bassum
  • BANG tex in der Textilbranche
  • kubik by BANG für die Kunststoffbranche

 

Die nächsten Netzwerke sind in Planung! Zudem entstehen um diese Netzwerke herum weitere Branchenlösungen.

Standorte der BANG Netzwerke


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