Der Azubi Knigge

Ausbildung - 06.01.20 /bildungsklick.de/BANG Hövelhof und Lippe

Wie bewahrt man Jugendliche davor, im Kontakt mit Ausbildungsunternehmen Fehler zu machen? Zum Beispiel, indem man an die Schulen geht und mit ihnen spricht.

Ausbilder und Personalverantwortliche sind oft erstaunt über die Fehler, die junge Menschen im Bewerbungsprozess machen. Aber woher sollen die Jugendlichen Regeln kennen, wenn man sie ihnen nicht mit auf den Weg gibt? In den Schulen erhalten Jugendliche meist Hilfestellung, wenn es um die Suche nach einem Ausbildungsunternehmen und die Erstellung von Bewerbungsunterlagen geht. Für den späteren Bewerbungsverlauf gibt es freiwillige Angebote zur Vorbereitung von Bewerbungsgesprächen oder Einstellungstests. Doch solche Angebote werden oft nur von den Jugendlichen angenommen, die ohnehin schon engagiert sind oder aus einem sie unterstützenden Elternhaus kommen. Oft brauchen gerade die Schüler/-innen, die diese Angebote nicht wahrnehmen, Hilfe dabei, Fehler in der Anbahnungsphase zu einem Ausbildungsverhältnis zu vermeiden.
In den BANG Netzwerken, in denen Unternehmen in einem ausbildungsbegleitenden Verbund zusammengeschlossen sind, entstand daher die Idee, an weiterführenden Schulen in der Klasse 9 Vorträge mit dem Titel „Azubi Knigge – Tipps und Tricks im Bewerbungsprozess“ anzubieten, also kurz bevor die Schüler in die heiße Phase der Bewerbung um Ausbildungsplätze einsteigen.

 

Fallstricke schon bei der Bewerbung

Am 1. Juli fand mit rund 80 Schülerinnen und Schülern der Realschule Hövelhof ein erster Vortrag statt. Die Tipps und Hinweise für die Schüler/-innen wirken dabei teilweise banal, sie sind aber für viele der Jugendlichen nicht präsent. Nachfolgend einige Beispiele:

  • Es ist wichtig, seine Unterlagen perfekt zu kennen, auch wenn die Eltern oder eine Lehrkraft geholfen haben.
  • Beim Anschreiben sollte ein Bezug zum Ausbildungsberuf da sein.
  • Man sollte nicht nur die Adresse und den Ausbildungsberuf ändern und ansonsten den Inhalt von einer anderen Bewerbung übernehmen.
  • Bei Telefongesprächen, etwa bei Nachfragen zur Bewerbung, ist eine ruhige Gesprächsumgebung wichtig.
  • Bevor man zum Hörer greift, sollte man sich klarmachen, was man fragen möchte und die eigene Telefonnummer im Kopf haben, um sie bei Bedarf angeben zu können.

Nicole Glawe-Miersch leitet die BANG Netzwerke Hövelhof und Lippe. Sie koordiniert die Zusammenarbeit aller an der Ausbildung beteiligten Partner und hielt im Juli den ersten Azubi-Knigge-Vortrag an der Realschule Hövelhof.

 

„Eigentlich weiß ich das ja“

Aus den Gesprächen mit den Schülerinnen und Schülern bei dem Vortrag wurde deutlich, dass viele Dinge eigentlich bekannt sind, etwa, dass ein fester Händedruck und ein offener Blick in die Augen großen Einfluss bei der ersten Begrüßung haben. In der Praxis ist dies dennoch nicht für alle einfach umzusetzen: Beim Vortrag in Hövelhof wurden die Jugendlichen nach der Diskussion über dieses Thema gebeten, den Raum zu verlassen und dann wieder einzutreten und sich vorzustellen. Dabei sprachen viele undeutlich oder vermieden den Blickkontakt. In Hövelhof wollen die Schülerinnen und Schüler nun solche Dinge üben.
„Die Schülerinnen und Schüler haben ganz unterschiedliche Elternhäuser – für manche ist eine richtige Begrüßung oder auch die Verwendung von Danke und Bitte selbstverständlich, bei anderen ist es notwendig, dass sie daran erinnert werden oder sowas eben nochmal üben“, meint Norbert Löhr, Lehrer für Berufsorientierung an der Schule. Sie findet daher den Azubi- Knigge-Vortrag hilfreich, vor allem zu diesem Zeitpunkt im Jahr, an dem die Zuhörer kurz vor ihren Bewerbungen stehen. Auch die Jugendlichen äußerten sich positiv.
Das Konzept wird daher nun auch in den anderen BANG-Ausbildungsnetzwerken (siehe Kasten) umgesetzt. Für Unternehmen, die häufig auf solche oder ähnliche Schwierigkeiten bei Bewerberinnen und Bewerbern treffen, kann das ein Vorbild sein: In die Schulen zu gehen und direkt mit den Schüler/-innen zu sprechen, kann sich sowohl positiv auf die Qualität der Bewerber wie auch auf das eigene Image auswirken.

 

Ausbildung im Netzwerk

Das Netzwerk BANG (Berufliches Ausbildungsnetzwerk im Gewerbebereich e.V.) wurde 2001 gegründet. Seitdem sind bis heute deutschlandweit neun Netzwerke entstanden, weitere stehen kurz vor ihrer Gründung. In den BANG Netzwerken schließen sich Unternehmen zusammen und addieren zur klassischen dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule eine dritte Säule – das eigene Trainingszentrum.

Im Überblick:

  • Die BANG Ausbildungsnetzwerke halten Vorträge in Realschulen, um Jugendliche für mögliche Fehler bei Bewerbungen zu sensibilisieren.
  • Dabei zeigt sich, dass die Schüler/-innen vieles oft zwar bereits wissen, aber nicht umsetzen.
  • Für Unternehmen oder regionale Netzwerke mit Bewerberproblemen können solche Schulbesuche ein Beitrag zum Azubi-Marketing sein.

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