BANG: Die 3. Säule

 
Um ihre Attraktivität als Ausbilder und Arbeitgeber zu steigern und Nachwuchs zu gewinnen, schlossen sich kleine und mittelständische Metallunternehmen im Kreis Paderborn zu einem regionalen Netzwerk zusammen. Das Konzept war offenbar so gut, dass inzwischen neun Netzwerke aktiv sind. Teil 2 unserer Serie über Ausbildungsnetzwerke.

Die Wilsmann Maschinenbau GmbH & Co. KG im ostwestfälischen Hövelhof ist ein mittelständisches Familienunternehmen. Seit 42 Jahren behauptet sich die auf Zerspanung sowie Wartung für Exzenter- und Hydraulikpressen spezialisierte Firma am Markt. Dazu trägt auch bei, dass Wilsmann seit vielen Jahren ausbildet. „Gute Leute auf dem Markt zu finden, wird für uns als regionaler Mittelständler immer schwieriger“, sagt Juniorchef Frederik Hüser mit Blick auf den Fachkräftemangel, der vor allem in ländlichen Regionen zunimmt. Hövelhof liegt definitiv ländlich, nämlich mitten in Ostwestfalen-Lippe. Deshalb setzt man bei Wilsmann seit vielen Jahren auf eigenen Fachkräftenachwuchs.


Dabei kommt jedoch eine Besonderheit zum Tragen: Das Unternehmen vertraut schon seit 16 Jahren auf die Kraft eines Netzwerks, das es selbst mit ins Leben gerufen hat: das Berufliche Ausbildungsnetzwerk im Gewerbebereich, kurz: BANG Hövelhof e. V. Die Idee dazu stammt von der gpdm – Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement mbH, einem Paderborner Dienstleistungsunternehmen, das innovative Bildungsprojekte entwickelt und auf den Weg bringt.

 

Das BANG-Netzwerk ist ein triales System, es erweitert das duale Ausbildungssystem aus Betrieb und Berufsschule um eine dritte Säule – ein besonderes Ausbildungszentrum. Es übernimmt die vielfältigsten Aufgaben rund um die Ausbildung. So können die Betriebe effizienter, breiter und kostengünstiger ausbilden als bei der ausschließlichen Nutzung eigener, oft sehr spezifischer Ressourcen. Manche Betriebe können dank BANG sogar erstmals Ausbildungsplätze anbieten.


Vom Berufsbildmarketing über die Bewerbervorauswahl bis zur Prüfungsvorbereitung bietet BANG das komplette Leistungsspektrum an. Die Unternehmen selbst schließen den Ausbildungsvertrag mit den Jugendlichen ab, denn sie bilden für sich selbst bedarfsgerecht aus. Die Nachwuchskräfte absolvieren, angeleitet von qualifizierten Ausbildern, in den regionalen BANG-Trainingszentren zusätzliche Module, etwa Werkunterricht oder berufsspezifische Praxis-Lerneinheiten. Somit wird dem Fachkräftemangel durch die gezielte Ausbildung neuer Mitarbeiter begegnet.


Viele Übernahmen, wenig Abbrüche

„Für uns hat das Netzwerk ausschließlich Vorteile“, betont Hüser. Das Unternehmen ist zu klein, um eine Meisterin oder einen Meister ausschließlich für die Ausbildung einzusetzen. „Gemeinsam mit der exzellent ausgestatteten Lehrwerkstatt des Netzwerks ist es jedoch möglich, unseren zwei oder drei Azubis pro Jahr alle erforderlichen Qualifikationen zu vermitteln“, berichtet der Unternehmer, dessen Vater das Netzwerk mitinitiiert hat. Auch viele Aspekte der Ausbildungsorganisation und Prüfungsvorbereitung kann die Firma an BANG abgeben. Das gilt inzwischen sogar fürs Recruiting. „BANG kennt unsere Voraussetzungen und trifft eine gute Vorauswahl der Bewerbungen“, beschreibt Hüser eine weitere Erleichterung.


Das Netzwerk ist seit 2001 aktiv. Die Maßnahmen starten mit jedem neuen Ausbildungsjahrgang – und immer mit demselben Ziel: so wenige Abbrüche und so viele Übernahmen wie möglich. Bestenfalls sollen sich langjährige Arbeitsverhältnisse ergeben. Im BANG-Netzwerk Hövelhof treten jährlich rund 25 neue Azubis an. Die Abbrecherquote liegt bei gerade drei bis fünf Prozent, die Übernahmequote bei 97 Prozent. Und die Prüfungsergebnisse rangieren regelmäßig über dem Landesdurchschnitt.


Der vielleicht größte Erfolg: Inzwischen gibt es neben Hövelhof acht weitere BANG-Netzwerke, drei zusätzliche werden gerade aufgebaut! Im März verließ BANG mit dem neuen Netzwerk im Nordschwarz-wald dabei erstmals sein Heimatland Nordrhein-Westfalen.


Auszeichnung als „Innovatives Netzwerk 2017“

Die Gründe für diese Expansion sind vielfältig. „BANG ist erfolgreich, weil das Netzwerk mit seinem Team und den Trainingszentren dort ist, wo die Unternehmen sind“, sagt Nicole Glawe-Miersch, Leiterin des BANG-Netzwerks Hövelhof, „es gibt einen direkten, wahrnehmbaren Bezug.“ Dabei ermöglichen das Konzept und die gute Finanzstruktur eine intensive persönliche Betreuung, was von Firmen und Jugendlichen gleichermaßen geschätzt wird. Die Betriebe sind von der Netzwerkleistung überzeugt und – so schließt sich der Kreis – deshalb auch bereit, dafür zu zahlen.


Vor wenigen Wochen zeichnete das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) BANG für sein erfolgreiches Engagement als „Innovatives Netzwerk 2017“ aus. „Das Besondere am BANG-Netzwerk ist, dass es kleinen und mittleren Unternehmen ein Komplettpaket für die Ausbildung ihrer Azubis bietet“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Von der Stellenausschreibung und Bewerberauswahl über Ausbildungsinhalte bis hin zu Zusatzqualifikationen unterstütze das Netzwerk gerade da, wo bei kleinen Unternehmen oft die Ressourcen fehlen. „Damit“, so die Jury, „leistet BANG einen wichtigen Beitrag für die Fachkräftesicherung vor Ort.“ Den Wettbewerb organisierte das Innovationsbüro Fachkräfte für die Region, ein bei der DIHK Service GmbH angesiedeltes Projekt des BMAS, das regionale Netzwerke und Initiativen zur Fachkräftesicherung berät.


Bei Wilsmann freute man sich über die Würdigung für BANG. „Wir sind sehr zufrieden im und mit dem Netzwerk“, sagt Juniorchef Hüser. So zufrieden, dass die Zahl der Fachkräfte bei Wilsmann, die dort einst als Azubis begannen, immer größer wird.

 

Quelle:
Die Serie „Ausbildungsnetzwerke“ ist eine Kooperation zwischen dem Innovationsbüro Fachkräfte für die Region und der POSITION, dem IHK-Magazin für Berufsbildung.

https://www.fachkraeftebuero.de/?id=615

POSITION | IHK-Magazin für BerufsbildungAusgabe 3 | 2017Autor: Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn


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